Imkerei Höveling

Wildrose

by Leahcim Lemmots
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Welche Frau hört das nicht gerne: „Schön wie die Rosen sind... bist auch du...“? Ja, viele Lieder besingen mehr oder weniger schön diese Pflanze: die Rose. Aber die Rose hat auch eine – meine Interpretation – tolle Zwillingsschwester: die Wildrose, oder wie manche sagen, Hundsrose. Beide haben ihre Stärken.

​Geschmeichelt wird der Zwillingsschwester keinesfalls mit der Bezeichnung „Kartoffel-Rose“, deren ledrige Laubblätter an die der Kartoffelpflanze erinnern. Sie ist die winterharte und robuste Schwester, deren Früchte, die Hagebutten, viel ergiebiger sind als beim Rest der Großfamilie. Die Hagebutte ist eine Sammelnussfrucht, von deren Heilwirkung schon Karl der Große und Hildegard von Bingen überzeugt waren. Zu dieser Zeit wurde die Blume als reine „Apothekerrose“ in den Gärten angebaut – heute ist sie leider etwas aus der Mode gekommen.

​Ich selber habe sie in – na, wo wohl? – Dänemark kennen und lieben gelernt. Wenn ich am Henne Strand von dem „Is Hus“ zum Strand laufe, komme ich an den wilden Rosen vorbei, die überall neben dem Weg wachsen. Gerade in der Mittagssonne verbreiten sie einen sanften, lieblichen Geruch. Ich stecke mir dann immer ein Blütenblatt in die Nase... Zum ersten Mal bin ich auf Langeland (DK) auf die gesundheitlichen Wirkungen aufmerksam geworden. Eine dort ansässige Firma machte Werbung für ihre Produkte rund um die Hagebutte.

​Aber auch unsere Kirche – wie kann es auch anders sein – hat mit den Rosen etwas am Hut. Seit dem Mittelalter enthält das Schnitzwerk vieler Beichtstühle Rosen als Symbol der Verschwiegenheit und der Jungfräulichkeit der Gottesmutter. Deshalb heißt das am weitesten verbreitete katholische Volksgebet, in dem Maria verehrt wird, und die dazugehörige Gebetsschnur „Rosenkranz“.

​Aber jede prächtige Göttin hat zwei Gesichter. Stamm, Äste und Zweige sind mit Stacheln besetzt, die im Volksmund häufig als Dornen bezeichnet werden – man denke da an die Dornenkrone von Jesus. Bei den alten Germanen – die dürfen ja nicht fehlen – war die Hagebutte der Göttin Freya gewidmet. Sie wirkt immunsystemsteigernd, leicht harntreibend, abführend (keine Angst, das heißt nicht, dass Sie gleich Durchfall bekommen werden) und blutreinigend. Außerdem haben neuere Studien ergeben, dass medizinisches Pulver aus Hagebutten bei Arthrose und Rückenschmerzen helfen kann. Eine bessere Beweglichkeit und Schmerzlinderung wurde von den Probanden bestätigt. Das ist aus der heutigen Zeit – ob das die alten Germanen auch wussten, ist nicht überliefert, aber ich frage gerne mal nach, wenn mir mal wieder einer über den Weg läuft.

​Heute wird die Hagebutte bei Erkältungen, Frühjahrsmüdigkeit und zur Stärkung des Immunsystems verwendet. Dazu verwendet man die Schalen der Früchte, aber auch, sofern verträglich, die Samen. Jeder kennt ja auch den Hagebuttentee. Die beste Erntezeit ist der Herbst. Gehen Sie einfach mal mit den Kindern oder, falls griffbereit, den Enkeln hinaus zum Hagebuttensammeln. Nur Vorsicht vor den kleinen Stacheln, das könnte piksen! Und sammeln Sie nur so viel, wie Sie auch verwerten können. Es gibt schließlich auch noch andere Lebewesen, die Hagebutten mögen – eine Zählung hat fast 30 Vogelarten ergeben. Also auch an andere denken.

​Nach der Ernte schneidet man sie mittig durch und schabt die Samen heraus. Danach können Sie die Früchte entweder im Ofen bei 40 Grad oder auf der Heizung trocknen. Lichtgeschützt und kühl aufbewahrt sind sie so bis zu einem Jahr haltbar. Für einen Tee überbrüht man 1–2 TL mit kochendem Wasser, lässt ihn ziehen, seiht ihn ab und trinkt ihn warm. Leider leidet durch das Aufbrühen der Vitamin-C-Gehalt etwas. Den Tee kann man bei Halsschmerzen, Entzündungen im Rachenraum oder bei Zahnschmerzen auch zum Gurgeln nutzen. Sie können die Scheinfrucht, welche etwas tomatenartig schmeckt, auch pürieren, dann ist der Vitamin-C-Gehalt am höchsten. Oder, was auch sehr lecker schmeckt, ist eine Marmelade aus Hagebutten. Zwar leidet auch da der Vitamin-C-Gehalt, aber wer mag nicht mal eine Scheibe frischen Stuten mit Marmelade? Man sollte die Hagebutte einfach mal mit anderen Augen sehen, denn sie ist wirklich eine Vitaminbombe.

​Manche kennen auch das Rosenöl. Es riecht sehr schön und nicht aufdringlich, und man kann es vortrefflich zur Massage benutzen. Eine tolle Sache! Ich habe es zum ersten Mal in Bulgarien kennen und riechen gelernt. Nur zur Vorstellung: Für einen einzigen Liter Rosenöl benötigt man unglaubliche 5.000 Kilo Blütenblätter! So versteht jeder, warum echtes Rosenöl eine Kostbarkeit ist.

​Aber es geht auch „preiswerter“, nur dann heißt es Rosenwasser. Hierzu braucht man nur Wasser und nicht so viele Rosenblätter (ca. 200 Blütenblätter auf 1 Liter). Es ist gut für die Hautreinigung, besonders als Gesichtswasser, und man setzt es auch Speisen zu. Ja, wenn du, lieber Leser, mal Marzipan isst, schau doch mal auf die Inhaltsangabe. Das beste Marzipan kommt aus Lübeck und enthält Rosenwasser – und leider meist auch eine Spur Alkohol, sodass man aufpassen muss, wem man es schenkt. Deshalb genau hinschauen: Die Firma Niederegger verzichtet bei vielen Produkten auf Alkohol, was somit zu Lasten der Haltbarkeit geht. Noch ein Tipp: Ich war beruflich früher mal dort und im Anschluss immer im Werksverkauf. Echt lecker!

​Die Rose, Königin der Blumen, stammt aus Persien. Man baute sie dort auf großen Flächen um die Stadt Isfahan an. Noch heute ist der Rosenanbau ein wichtiger Wirtschaftszweig im Iran – ja, ein Land, das bei uns nicht gerade den besten Ruf hat. Wusstet ihr, dass ein guter Rosenpflücker pro Tag ca. 50 kg schafft? So gesehen ist die Hagebutte doch „pflückleichter“ und schneller einsetzbar.

​Noch ein letzter Tipp: Nach dem ersten Frost sind die Hagebutten etwas süßer. Also auf in die Natur und einfach mal ein paar pflücken! Wer gute Augen hat, kann sie schon von Weitem entdecken. Und dann: erst mal entspannen – erst mal einen Hagebuttentee trinken. Der darf dann auch mal von Kinderhänden gepflückt sein... Scherz – Schwamm drüber. Vielleicht hat der eine oder andere nun Lust bekommen, auf einem Spaziergang unter die Pflücker zu gehen, oder hat eine Thermoskanne mit heißem Wasser dabei, schneidet sie mit dem Sackmesser* auf und macht einen Vor-Ort-Tee.

​*(In der Schweiz hat jeder ein sogenanntes Sackmesser (Taschenmesser) in seinem Rucksack.)

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